Digitalisierung Apotheken

Übersicht Apotheken-Apps

NOVEMber 2018 | Seit der Expopharm in München erhalten Apotheken in ganz Deutschland fast täglich neue Angebote für Apps. Von Vorbestell-Apps mit Chatfunktion á la WhatsApp bis hin zu Bestellapps, die vollständig in die Warenwirtschaft integriert sind, wird alles angeboten. Die Preise reichen dabei von mehreren hundert Euro bis hin zu "kostenlos" - also irgendwie durch Nutzerdaten oder Hersteller finanziert.

Diese Übersicht soll die wichtigsten Apps kurz und bündig beschreiben - da das ganze Thema jedoch stark im Fluß ist bin ich für Aktualisierungen / Anregungen dankbar!

Schnell-Navigation durch den App-Dschungel:

ApothekenApp

Die Apotheken-App vom Deutschen Apotheken Verlag ermöglicht das Aussuchen der eigenen Stammapotheke und zeigt ansonsten die Notdienste an. Die App ist eher mittelmässig bewertet und stürzt im Test auch mal ab. Dafür muss man sich für die Teilnahme nicht registrieren, der Apotheken-Finder ist für den Kunden kostenfrei, der Basiseintrag für die Apotheke auch.

Apotheken mit einer Webseite von DAN / apotheken.de werden in der App gesondert hervorgehoben. Sie können sich vom Kunden als "Lieblingsapotheke" hinterlegen lassen. Dann werden auch weitere Funktionen freigeschaltet, wie zum Beispiel ein digitaler Flyer oder eine Artikel-Reservierung. Außerdem bietet die App die Möglichkeit, die Medikation einzugeben und sich dann per Mitteilung an die Einnahme bestimmter Medikamente erinnern zu lassen.

Call my Apo App

Call my Apo

Als reine Chat-App bietet Call my Apo für den Kunden den direkten Kontakt in die Apotheke der eigenen Wahl. Allerdings sind die Funktionen begrenzt: der Fokus steht klar auf einer Vorbestellung per Foto, Sprachnachricht oder Text und der damit einhergehenden DSGVO-konformen Abwicklung. Dafür sind auch die Kosten überschaubar.

Langfristig soll wohl ebenfalls eine Einbindung in die Warenwirtschaftssysteme der Noventiz / Awinta möglich sein. Derzeit scheint es vor Allem darum zu gehen Reichweite aufzubauen. Wann die "Mehrwertdienste" verfügbar sind wird sich zeigen.

deine Apotheke

Von der Phoenix AG & ADG wird das System "deine Apotheke" promotet. Es bietet eine Vorbestell-Funktion per Rezeptfoto, oder manueller Eingabe. Für einen geringen monatlichen Betrag erhält die Apotheke eine DSGVO-konforme "Chat-Möglichkeit". So streichen die Anbieter die "WhatsApp-ähnliche" Bedienung hervor. Allerdings sind die weiteren Funktionen eher rudimentär. Spannend dürfte es vor Allem werden, wenn man die direkte Integration in die ADG-Warenwirtschaft nutzt. Dort sollen direkt die Rezeptdaten übernommen werden. Bisher kenne ich allerdings noch keine Testergebnisse.

Apotheke vor Ort

Vom Wort & Bild Verlag kommt die wohl dienst-älteste der Apotheken Apps: Apotheke vor Ort. Hier kann der Nutzer seine "Stammapotheke" auswählen und kontaktieren. Sie ist stark auf die Inhalte der Apotheken Umschau aus dem gleichen Hause ausgerichtet. So werden dort die gleichen Inhalte ausgespielt und z.B. über Augmented Reality Zusatzinformationen zu Heftbeiträgen abgerufen. 

Eine Integration in bestehende Warenwirtschaftssysteme besteht wohl nicht, die Informationen erreichen die Apotheke über die "klassischen" Medien (Telefon, Email, Fax, etc). Damit ist für die Nutzung seitens der Apotheke kein Einloggen in ein Backend-System notwendig.

klickA / Aponow

Mit Aponow kann der Kunde seine Medikamente online in einer Apotheke der Umgebung reservieren. Alle Apotheken der Umgebung erhalten dann ein Fax mit einer Bestellnummer. Über ein Portal kann jeder Apotheker den Auftrag für sich annehmen und die Medikamente reservieren.Im gleichen Zug werden die Kontaktdaten des Kunden angezeigt und die Apotheke übernimmt die Abwicklung. Auch eine Lieferung ist möglich, sowie eine Paypal-Anbindung.

Die App klickA nutzen dagegen eher Hersteller, z.B. ratiopharm, Queisser, Orthomol, TAD, etc... Dort kann der Kunde ausgewählte Artikel in einer bestimmten Apotheke seiner Wahl zum UVP vorbestellen. Die Apotheke erhält dann ein Fax auf dem die Abholung des Artikels angekündigt wird. Die Daten des Kunden stehen auf dem Fax, die Kontaktaufnahme erfolgt dann per Handynummer oder Mailadresse.

Die dritte Plattfom desselben Anbieters - vitabook - soll eine einfache Heimversorgung ermöglichen. Allerdings wird das Heim damit eher an vitabook an die Apotheke "gebunden".

Im November 2018 verschickt Apo Now das Angebot an die Apotheken Mitglied der Genossenschaft "Patientenfreundliche Apotheker e.G." zu werden und somit am Erfolg der App teilzuhaben. Das sollte man doch genauer abwägen, da man sich damit noch viel langfristiger an ein Projekt bindet, dessen Erfolg nicht abschätzbar ist. Vorteil wäre ein Gebietsschutz für Teilhaber und die Möglichkeit einer abweichenden (niedrigeren?) Preisgestaltung, weil es sich quasi um eine anonyme Plattform handelt. Mit mehreren tausend Euro handelt es sich keinesfalls um einen meiner #5EuroTrixx.

RezeptApp

Die RezeptApp ist ein relativ neues Produkt und knüpft direkt an das de facto WhatsApp-Verbot für Apotheken im Zuge der DSGVO an. Der Kunde kann eine individualisierte App im App Store herunterladen und für die Übertragung von Rezepten und Nachrichten nutzen. Die Apotheke erhält die Nachrichten als verschlüsseltes PDF-Dokument per Email zugesandt und kann dann in Kontakt treten. Eine Einbindung in bestehende Warenwirtschaftssysteme ist nicht vorhanden und bei diesem unabhängigen Anbieter eher unwahrscheinlich.

Laut Homepage kostet die App ca EUR 3000 und gehört damit auch nicht unbedingt zu meinen #5EuroTrixx ...

mylife / Zukunftspakt Apotheke

Aus meiner Sicht wäre es auch wichtig, das Projekt mylife / Zukunftspakt Apotheke des Burda Verlags im Auge zu behalten. Das Medienhaus wird ab Frühjahr 2019 ein digitales Paket inklusive Kundenzeitschrift im Markt platzieren. Es steht im direkten Wettbewerb zum Angebot des Wort & Bild Verlags mit seiner Apotheken Umschau. Durch die große Digital-Erfahrung und die Kooperation mit Noweda bringt das Projekt damit einiges an "Durchschlagskraft" mit. Auch vom Preisgefüge soll es laut Planungen unterhalb der Umschau und damit auch unter der "Apotheke vor Ort" App (s.o.) angesiedelt sein.